Hintergrund

Der demografische Wandel betrifft ganz Europa. Eine immer höhere Lebenserwartung gepaart mit fallender Kindersterblichkeit wird in Zukunft eine Herausforderung für die Altersstruktur der Bevölkerung darstellen. Alle Versuche, diese Situation zu meistern, müssen aktiv Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit ein beziehen.

Die Joint Programming Initiative (JPI) ist ein neuer Ansatz, Zusammenarbeit und Kooperation in Forschung und Entwicklung einer gesellschaftlichen Herausforderung zu fördern. Die Initiative wird von verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten getragen. JPI "More Years, Better Lives - The Potential and Challenges of Demographic Change" möchte die Kooperation zwischen nationalen und europäischen Forschungsprogrammen zum Thema demografischer Wandel zusammen bringen. Vom demografischen Wandel sind zahlreiche Themenfelder betroffen, von Gesundheit und Performanz über Gesellschaftsordnung & Wohlstand, Arbeit & Produktivität, Ausbildung & Lernen bis zu Unterkunft, urbane und ländliche Entwicklung & Mobilität. Die Joint Programming Initiative verfolgt deshalb einen transnationalen, multidisziplinären Ansatz. Sie vereint Forscher aus verschiedenen Disziplinen und Programmen um vom Potenzial gesellschaftlichen Wandels Gebrauch zu machen.

Der erste Schritt in Richtung einer besseren Vernetzung und Verbindung nationaler Programme ist das Mapping aktueller und zukünftiger nationaler Aktivitäten in den entsprechenden Feldern und die Ausarbeitung einer strategischen Forschungs-Agenda. Auf dieser Basis werden mögliche gemeinsame Aktivitäten und Fördermöglichkeiten durch die Mitgliedsstaaten evaluiert. Schließlich wird ein Work Programme alle kurzen, mittel- und langfristigen Initiativen und deren Umsetzung dokumentieren.

Gesundheit & Performanz

Gute Gesundheit ist die Voraussetzung, um in fortgeschrittenem Alter unabhängig zu leben. Ein besseres Verständnis von Alterungsprozessen und der dazugehörigen Plastizität individueller Leistungen sowie die Prävention altersbedingter Krankheiten und spezielle Strategien für das Gesundheitswesen sind die Basis, um den europäischen Bürger im Laufe seines Lebens gesund und aktiv zu halten.

Im Laufe des letzten Jahrzehnts war die Gruppe der Ältesten (85 Jahre und mehr) in entwickelten Ländern die am schnellsten wachsende Bevölkerungssparte. Die Verbreitung von Krankheiten, chronischen Zuständen, Behinderungen und Sterblichkeit bei älteren Menschen werden einen wichtigen Effekt auf die Zukunftsfähigkeit moderner Gesellschaften haben. Neue Methoden der Prävention, Behandlung und Rehabilitation sowie die Kompensation physischer und mentaler Einschränkungen sind von Nöten, um lange Leben in guter Gesundheit und Performanz sicher zu stellen.

 

Gesellschaftsordnung & Wohlstand

In Europa ist die Basis von Sozial- und Wohlfahrtssystemen durch den demografischen Wandel bedroht. Neue Wohlstandsarrangements und Pflegemodelle sind von Nöten, um auf die Ansprüche der sich wandelnden Gesellschaft einzugehen und die soziale Inklusion aller Bürger sicher zu stellen.

Die zukünftige Bereitstellung von Wohlstand ist nicht nur eine Herausforderung für die wirtschaftliche Nachhaltigkeit dieser Systeme sondern stellt auch den institutionellen und organisatorischen Rahmen von Wohlstand und sozialer Unterstützung in alternden Gesellschaften in Frage. Innovative Wege, private, staatliche und gesellschaftliche Pflegebereitstellung und der Gebrauch neuer Technologien innerhalb des Sektors können zu einem „welfare mix“ führen, der soziale Absicherung und Unterstützung sowie Lebensqualität auch in hohem Alter sicher stellt.

 

Arbeit & Produktivität

Langlebigkeit zeigt die facettenreiche Realität von Arbeit auf: Die Segregation der Generationen muss abgefedert und die ökonomische Produktivität und soziale Inklusion müssen erhalten und verbessert  werden.

Die Integration älterer Bürger und ihrer Expertise in das Arbeitsleben ist unerlässlich, um zukünftigen Wohlstand und das Rentensystem zu finanzieren und für wirtschaftliche Stabilität zu sorgen. Die relative Wettbewerbsfähigkeit älterer Menschen muss durch lebenslanges Lernen, Arbeitsorganisation und Lohnpolitik erhöht und durch Gesundheitsvorsorge am Arbeitsplatz sichergestellt werden. Neue work-life-balance Modelle können älteren Arbeitnehmern zu größerer Flexibilität und sogar zu einer zweiten Karriere verhelfen. Formelle, aber auch freiwillige Arbeit ist eine wichtige Arena sozialer Inklusion älterer Bürger.

 

Ausbildung & Lernen

Kontinuierliche Weiterbildung ist unerlässlich, um die soziale und ökonomische Inklusion älter werdender Bürger zu garantieren. Lernen und professionelles Training im Arbeits- und Ausbildungskontext müssen stärker vernetzt werden, wobei die Charakteristika und kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen anerkannt werden müssen.

Es besteht eine deutlicher Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und Gesundheit auf der einen und Bildung auf der anderen Seite. In diesem Kontext ist die Erkenntnis zentral, dass lebenslanges Lernen nicht erst mit dem Rentenalter, sondern mit den ersten Etappen einer Bildungsgbiographie beginnt. Lebenslanges Lernen konstant ernst zu nehmen birgt sowohl Herausforderungen wie auch Möglichkeiten für Individuen sowie das Bildungssystem.

 

Unterkunft, urbane und ländliche Entwicklung & Mobilität

Das Heim und seine Umgebung sind wichtige Orte für selbstbestimmtes Altern. Soziale Inklusion muss sowohl in ländlichen wie städtischen Kontexten sichergestellt sein. Mobilität im täglichen Leben ermutigt Bürger, an sozialen, politischen und wirtschaftlichen Austauschprozessen teil zu haben.

Sowohl Städte wie auch ländliche Gegenden müssen die Bedürfnisse ihrer alternden Bürger berücksichtigen. So lange wie möglich in einem gewohnten, familiären Kontext leben zu können stellt eine Voraussetzung für qualitativ hochwertiges Leben in fortgeschrittenem Alter dar. Genauso wichtig, besonders im ländlichen Raum, sind gesellschaftliche Teilhabe und Verbundenheit mit dem öffentlichen Raum und seinen Gemeinschaften. Neue Ansätze in Planung, Bau und Design, der Einsatz hilfsgerichteter Technologien, neue Konzepte für sicheren und zugänglichen privaten wie öffentlichen Verkehr können wesentlich zum Aufbau altersfreundlicher Städte beitragen.